Der Bader

Ein Bader war der Betreiber einer öffentlichen Badestube in einer mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Stadt.

Öffentliche Badeeinrichtungen – ursprünglich eine Errungenschaft der Antike bzw. des Orients – setzten sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts in den mitteleuropäischen Städten durch. Größere Städte verfügten über mehrere Badestuben, kleinere Städte in der Regel nur über eine einzige.

Die Badestube erfüllte für die Stadtbewohner wichtige Funktionen, zum einen als gesellschaftlicher Treffpunkt: gemeinsames Baden diente der Entspannung, dem  Vergnügen und dem Klatsch, zum andern als Angebot zur Körperpflege, da die Mehrheit der Stadtbevölkerung nicht über eine Bademöglichkeit in den eigenen Wohnräumen verfügte. Die Bäder waren meist  Schwitzbäder,  Wannenbäder wurden weniger in Anspruch genommen. In der Regel badeten Männer und Frauen getrennt.

Darüber hinaus war die Badestube aber auch ein Ort, an dem sich die Menschen medizinisch versorgen lassen konnten. Zu den Aufgaben des Baders gehörten nämlich nicht nur Arbeiten, die zum Betreiben einer Badestube nötig waren (Anheizen der Öfen für heißes Wasser, Ansetzen der Reinigungs- und Schwitzbäder) und die Dienste zur  Körperpflege (Körperabreibungen, Haare waschen und schneiden sowie rasieren), sondern ebenso die Durchführung einer Reihe medizinischer Behandlungen. So spielte der Bader für die Gesundheitsvorsorge eine wichtige Rolle, denn in den mittelalterlichen Städten praktizierten noch kaum akademisch ausgebildete Ärzte.

Der Bader behandelte Wunden und Geschwüre, er schiente gebrochene Knochen, entfernte Warzen,  verabreichte Einläufe, schnitt Hühneraugen,  stach den Star, ließ zur Ader, setzte Schröpfköpfe, beschaute Aussätzige und zog Zähne. Mancherorts war er auch für das Waschen der Leichen zuständig.

Außerdem erfüllte er Aufgaben, die später von Apothekern übernommen wurden:
Er stellte Salben und Pflaster her und bereitete Kräutertränke.

Um Bader zu werden, war – wie in jedem anderen Handwerk auch – eine Lehrzeit von 3-4 Jahren nötig. Die Berufszulassungen waren streng; der Bader wurde vom Rat der Stadt kontrolliert.

In manchen Städten gehörten Bader einer Zunft an, zählten allerdings zur untersten Sozialschicht.
Das Bader-Handwerk galt in der Regel aber als unehrlicher Beruf.

Ina Gravenkamp, Stadtarchiv Alfeld


Hier eine Illustration von Jost Amman zum Beruf des Baders aus einem im Jahr 1568 erschienen BuchFoto / Grafik :

Text Buchtitel

Hans Sachs hat dazu gereymt:

TextGrafik

Übersetzung von Ina Gravenkamp, Stadtarchiv Alfeld:

Kommt in die Badestube reiche und arme Leute,
da ist jetzt warm angeheizt.
Man wäscht euch mit wohlriechendem Seifenwasser,
dann setzt man euch auf die Oberbank 1.
Da schwitzt ihr, dann werdet ihr gewaschen und abgerieben 2.
Anschließend werdet ihr zur Ader gelassen 3
und mit einem Wannenbad erfreut.
Zum Schluss werden euch die Flöhe ausgekämmt und die Haare geschnitten.


1 die oberste Stufe der Saunabank
2 im Sinne von Peeling
3 Im Mittelalter hatte man die Vorstellung, dass durch den Aderlass sogenannte „schlechte Säfte“, die Krankheiten bewirkten, aus dem Körper ausgeleitet werden konnten.