Der dringende Sanierungsbedarf des unter den Häusern 'Am Kirchhof 1 - 3' in Alfeld gelegenen Sandstein-Gewölbes war Anfang 2011 schon seit mehr als 10 Jahren offenkundig.

Durch verschiedene, Jahrzehnte alte und belastende bauliche Veränderungen im Inneren des Gewölbes, durch infolge mangelnder Lüftungsmöglichkeit über viele Jahre tief in die Bausubstanz eingedrungene Feuchtigkeit und nicht zuletzt wohl auch durch Belastungen, die bis vor wenigen Jahren durch Schwerlastverkehr auf der unmittelbar am Gewölbe gelegenen Straße 'Hinter der Schule' verursacht wurden, war das Gebäude in einen unübersehbar schlechten Zustand geraten.

Wegen der besonderen Situation, dass der Gewölbekeller zu gleichen Teilen den drei darauf stehenden Häusern zugeeignet ist, konnte eine Lösung der Probleme nur im Konsens zwischen den drei Eigentümern der Häuser gesucht werden. Vor 2011 war dieser Konsens aus verschiedensten Gründen nicht erreicht worden.

Erst nachdem zwei der Häuser innerhalb kurzer Zeit jeweils einen neuen Eigentümer gefunden hatten, änderte sich die Situation in positiver Weise und es wurden zwischen den Eigentümern Gespräche über die zur Erhaltung des Gewölbes nötigen Maßnahmen geführt. Im Rahmen dieser Gespräche entstand dann die Idee, die Sanierung des Gewölbes mit dem Ziel zu verbinden, dieses historische Baudenkmal möglichst vollständig für die Öffentlichkeit zu öffnen und für kulturelle Zwecke nutzbar zu machen.

Die Realisierung dieser Idee wurde Anfang 2011 begonnen und hat bis heute folgenden Verlauf genommen:

30.03.2011

Es findet ein erstes Treffen unter Beteiligung der Stadt Alfeld, des Vereins für Heimatkunde und der Eigentümer des Gebäudes statt. Alle Teilnehmer stehen der Idee, den Gewölbekeller für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu nutzen, wohlwollend und offen gegenüber.

Zwischen allen Teilnehmern wird einvernehmlich vereinbart, dass der Gewölbekeller der Ratsbadstube in einen 'entkernten' Zustand - also möglichst nahe an die ursprüngliche Situation des Bauwerks - gebracht werden soll. Dieser erste Schritt wird von der Stadt Alfeld unterstützt, indem die Jugendwerkstatt alle Einbauten aus dem Kellergewölbe entfernt und das Mauerwerk reinigt.

Danach soll unter Berücksichtigung des dann erreichten Zustands des Gewölbes und auf der Grundlage der durch die Eigentümer bekundeten Bereitschaft, das Bauwerk öffentlich zugänglich zu machen, ein Nutzungskonzept entwickelt werden.

Teil der Vereinbarung ist es auch, dass den Eigentümern für den eigenen Bedarf ein Teil - insgesamt maximal ein Drittel der Gesamtfläche - des Kellers zur privaten Nutzung verfügbar bleibt.

27.06. - 29.06.2011

Mitarbeiter und Mitglieder der Jugendwerkstatt führen die am 30.03.2011 vereinbarte 'Entkernung' des Gewölbekellers aus. Die Einbauten sind aus dem Gewölbe entfernt, die Reinigung des Mauerwerks bereitet mit den verfügbaren Mitteln allerdings große Probleme und führt nur zu einem geringen Erfolg.

Der Einsatz der Jugendwerkstatt in diesen drei Tagen ist so beeindruckend tatkräftig, dass die dabei entstandenen Fotos als ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes für die geleistete Arbeit in einer noch am selben Tag spontan und eilig zusammengestellten BildergalerieFoto / Grafik auf einer kleinen Webseite veröffentlicht werden.

29.08.2011

Im Anschluss an die erste Besprechung vom 30.03.2011 treffen sich die Beteiligten vor Ort, um einen Eindruck von dem 'neuen' Zustand des Kellergewölbes nach dem Einsatz der Jugendwerkstatt zu gewinnen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Es fällt positiv auf, dass nach Entfernung der deckenhohen, die Luftzirkulation behindernden Einbauten die notwendige Belüftung des Gewölbes wieder intakt erscheint. Die bis dahin extrem hohe Luftfeuchtigkeit hat sich spürbar verringert.

Andererseits haben die Reinigungsversuche am Mauerwerk das Problem des ungeeigneten, schadhaften und durchnässten Putzes mit der davon ausgehenden substanzschädigenden Wirkung auf den Sandstein nicht ansatzweise behoben.

Der nach Entfernung der Einbauten jetzt in der gesamten Fläche sichtbare Betonboden weist in mehreren Bereichen unterschiedliche Höhen auf, ist stellenweise stark beschädigt und wird in verschiedenen Richtungen von den ebenfalls betonierten Fundamenten der inzwischen entfernten Einbauten durchzogen. Die Fundamente ragen zum Teil erheblich über das Niveau des Bodens hinaus.

Zusammenfassend ergibt sich, dass die bisher durchgeführten Arbeiten den Zustand des Gewölbekellers erheblich verbessert haben,

aber noch nicht ausreichen, die Erhaltung des Gewölbes zu gewährleisten und auch eine öffentliche Nutzung des Bauwerks gefahrlos und dem beabsichtigten Zweck entsprechend zu ermöglichen.


Es wird vereinbart, unter Beteiligung von Fachleuten zu prüfen, welche weiteren Maßnahmen zur Beseitigung der verbliebenen Probleme zweckmäßig und notwendig sind.

Außerdem soll versucht werden, den am 30.03.2011 vereinbarten Anspruch der Eigentümer auf die Nutzung eines Teils der Gewölbes für eigene Zwecke durch eine Ersatzlösung zu erfüllen. Dazu sollen geeignete Räumlichkeiten in der nahen Umgebung des Kirchhofs gesucht und gegebenenfalls angemietet werden. Wenn das gelingt, gäbe es keine Notwendigkeit, den gerade erst erreichten optischen Eindruck des Gewölbes in seiner gesamten, imponierenden Größe durch Einbau einer Trennwand erneut zu stören.

ab 30.08.2011

Suche nach Lösungsansätzen für die nach der Entkernung verbliebenen, am 29.08.2012 benannten Probleme.

Es wird zeitnah Kontakt zu drei Fachfirmen aufgenommen mit der Bitte, den Zustand der Bausubstanz des Gewölbes zu prüfen und eine qualifizierte Meinung beziehungsweise einen konkreten Vorschlag zur Lösung der Probleme abzugeben.

Gleichzeitig wird durch die Stadt Alfeld als untere Denkmalschutzbehörde das Nds. Landesamt für Denkmalpflege (NLD) beteiligt. Der seinerzeit im NLD für Alfeld zuständige Konservator verschafft sich vor Ort einen Eindruck von der Situation des Gewölbekellers und teilt seine fachliche Beurteilung des Sachverhalts sowie konkrete Vorschläge für das weitere Vorgehen mit.

Gleichzeitig weist er auf die Möglichkeit einer finanziellen Förderung aus Landesmitteln hin, die unter bestimmten Voraussetzungen für eine nach den fachlichen Vorgaben durchzuführende Sanierung des Gewölbes auf Antrag gewährt werden kann.

Der Vorschlag einer der drei angesprochenen Fachfirmen - die auf die Konservierung und Restaurierung von Naturstein spezialisiert ist - entspricht weitgehend den fachlichen Vorgaben des Denkmalschutzes für eine sachgerechte, vollständige Sanierung des Bauwerks und erscheint mit der vom NLD in Aussicht gestellten Unterstützung realisierbar.

Bei diesem Sachverhalt zeichnet sich deutlich die Chance ab, eine umfassende und nachhaltige Sanierung des Gewölbekellers zu ermöglichen und damit beide Ziele - die Erhaltung des Bauwerks und seine Öffnung für eine öffentliche Nutzung - zu erreichen. Die Eigentümer sind sich in dieser Situation einig, im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu versuchen, diese Chance zu realisieren.

ab 12.09.2011

Die für die Sanierungsarbeiten in Betracht kommende Fachfirma wird um Abgabe eines Angebots gebeten. Ein Vertreter der Firma ist am 15.09.2011 vor Ort und verschafft sich einen detaillierten Überblick über die Art und den konkreten Umfang der zu erbringenden Leistungen.

ab 15.09.2011

Eine unverzichtbare Voraussetzung für die Gewährung von Landesmitteln ist eine vor der Antragstellung durchzuführende 'archäologische Sondierung' des Bauwerks, die von den Eigentümern zu veranlassen ist.

Mit Unterstützung durch die Denkmalschutz-Behörden wird ein zur Durchführung der geforderten Sondierung qualifizierter Archäologe ausgewählt und gebeten, ein Angebot abzugeben. Das Angebot liegt am 22.09.2011 vor und am 27.09.2011 erteilen die Eigentümer den Auftrag, die Maßnahme durchzuführen.

20.09.2011

Ein Angebot der Fachfirma liegt vor. Art und Umfang der angebotenen Leistungen entsprechen den Erwartungen, der Preis dafür überschreitet aber den vorstellbaren finanziellen Rahmen. Das Angebot muss deshalb mit dem Ziel einer Anpassung an die vorhandenen Möglichkeiten nachverhandelt werden.

28.09.2011

Auf eigene Initiative der anbietenden Fachfirma und ohne Aussicht auf eine Annahme des bis dahin vorliegenden Angebots führt ein Mitarbeiter der Firma eine Analyse des schadhaften Putzes durch. Die Ergebnisse dieser Analyse werden nicht nur eine verbesserte Kalkulation des Aufwands im Hinblick auf die erforderliche Anpassung des Angebots ermöglichen, sondern vor allen Dingen auch Hinweise für ein optimales Vorgehen bei der Sanierung der Wände liefern. Fotos von der Bestandsaufnahme zur Analyse des Putzes

 

05.10. und 06.10.2011

Der beauftragte Archäologe führt die archäologische Sondierung des Gewölbekellers nach den vorgegebenen Kriterien durch. Fotos vom Ablauf und den Ergebnissen der archäologischen Sondierung


12.10.2011

Der Bericht des ArchäologenPDF-Dokument über den Verlauf und das Ergebnis der archäologischen Sondierung des Gewölbekellers liegt vor.

19.10.2011

Ein dem voraussichtlich aktuell verfügbaren finanziellen Rahmen angepasstes Angebot der Fachfirma liegt vor. Auf der Leistungsseite führt die Anpassung gegenüber dem ursprünglichen Angebot zum Wegfall einzelner Positionen, die für das wesentliche Ziel der Sanierung aber - zumindest vorerst - keine oder nur geringe Bedeutung haben.

Alle Beteiligten sind davon überzeugt, dass die im Fall der Annahme des angepassten Angebots verbleibenden Restarbeiten entweder in Eigenleistung erbracht oder - ohne nachteilige Folgen für das Ziel einer umfassenden Sanierung des Gewölbes - zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können.

20.10.2011

Die Stadt Alfeld, die als untere Denkmalschutzbehörde für die Genehmigung der geplanten Maßnahme nach § 10 des Nds. DenkmalschutzgesetzesWWW externer Link (NDSchG) zuständig ist, erteilt die denkmalrechtliche Genehmigung zur Gewölbesanierung.

Mit dieser Genehmigung, dem Bericht des Archäologen und dem Vorliegen eines akzeptablen Angebots für die Durchführung der zur Sanierung des Gewölbekellers notwendigen Arbeiten sind die grundlegenden Voraussetzungen für einen 'Antrag auf eine Landeszuwendung der Denkmalpflege' erfüllt.

Der Antrag wird noch am selben Tag unter Beteiligung und mit einer befürwortenden Stellungnahme der Stadt Alfeld durch die Eigentümer beim Nds. Landesamt für Denkmalpflege eingereicht.

01.11.2011

Das Nds. Landesamt für Denkmalpflege erteilt auf den Antrag vom 20.11.2011 einen Bescheid, mit dem gemäß § 44 der Niedersächsischen LandeshaushaltsordnungWWW externer Link (LHO) zu den Kosten der Sanierung des Gewölbekellers eine finanzielle Zuwendung als Projektförderung bewilligt wird.

04.11.2011

Die Fachfirma wird beauftragt, die Sanierungsarbeiten am Kellergewölbe ihrem Angebot vom 19.10.2011 entsprechend durchzuführen.

16.11. bis 23.11.2011

Die beauftragte Fachfirma führt die Sanierungsarbeiten durch. Die nach dem Einsatz der Jugendwerkstatt noch verbliebenen Reste der massiven Einbauten werden entfernt. Der schadhafte Putz wird unter Berücksichtigung der Analyseergebnisse vom 28.09.2011 mit größtmöglicher Vorsicht und Sorgfalt von den Wänden entfernt, die Fugen der Gewölbestruktur so weit freigelegt, wie es für eine künftige Neuverfugung notwendig ist. Vom Boden wird der Beton / Betonestrich einschließlich der von den früheren Einbauten darin verbliebenen Fundamente ausgearbeitet. Außerdem werden die Sandsteinstufen der Kellertreppe von ihren mit eisernen Kanten verstärkten Betonauflagen befreit. Fotos mit Eindrücken von Art und Umfang der Arbeiten

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Nach Abschluss dieses Abschnitts der Sanierung ist das Gewölbe von weiteren ca. 40 Tonnen Bauschutt befreit. Dabei stehen die bereits bei Prüfung des Angebots vom 19.11.2011 vorhergesehenen Restarbeiten noch aus ...

19.01.2012

Der Stadtentwicklungs- und KulturausschussWWW externer Link des Rates der Stadt Alfeld informiert sich im Rahmen seiner Sitzung vor Ort über den erreichten Stand des Projekts.
Die Alfelder Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 21.01.2012 ausführlich darüberPDF-Dokument.